Dänemark schafft Rundfunkgebühr ab

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Dänemark schafft die Rundfunkgebühren ab und finanziert die öffentlich-rechtlichen Sender künftig über Steuern. Das Budget des Dänischen Rundfunks soll zudem um ein Fünftel gekürzt werden.

 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Dänemark, der bislang über eine Lizenzabgabe von 2527 Kronen (339 Euro) pro Haushalt finanziert wird, stehen ebenso umfangreiche wie umstrittene Veränderungen bevor. Die Finanzierung wird künftig nicht mehr über die Gebühr, sondern über das Steuersystem erfolgen. Dafür dreht die liberal-konservative, von der rechtspopulistischen „Dansk Folkeparti“ gedrängte Minderheitsregierung Lars Løkke Rasmussens an der Höhe der Steuerfreibeträge.

Mit dieser Systemumwandlung, die im Laufe der nächsten Jahre graduell vorgenommen wird, ist es allerdings nicht getan. Das Budget von Danmarks Radio wird um zwanzig Prozent gekürzt, wobei sich auch dieser Prozess schrittweise vollzieht. Sehr bald schon stehen der Anstalt 773 Millionen Kronen (104 Millionen Euro) pro Jahr weniger als bisher zur Verfügung.

Sie teilte jetzt mit, wo in den ersten drei Jahren jeweils 420 Millionen Kronen (56 Millionen Euro) herkommen sollen: Die Zahl der Fernsehkanäle wird von sechs auf drei halbiert. Die Zahl der Radiokanäle verringert sich von acht auf fünf; geschlossen werden P6 Beat, P7 Mix und P8 Jazz. Rund 400 von aktuell 2600 Stellen werden gestrichen, darunter 25 leitende Posten. Die Personalkürzungen sollen vor allem den administrativen Bereich treffen. Einer der beiden Direktoren fürs Administrative und einer der drei für Inhalte zuständigen Direktoren räumen ihre Büros.

Sparpläne schlagen hohe Wellen

Das seien „relativ drastische Veränderungen“. So sagte es DR-Generaldirektorin Maria Rørbye Rønn bei der Vorstellung der Sparpläne, denen der Abschluss eines neuen „Medienabkommens“ zwischen der Regierung und der „Dansk Folkeparti“ im Juni und nun eines neuen „Public Service“-Vertrags zwischen Kulturministerium und Danmarks Radio vorausging. Für das Fernsehen heißt das: Der 2009 gestartete Kulturkanal DR K wird 2020 mit DR2 zu einem neuen DR2 mit gesellschaftlich-kulturellem Profil zusammengelegt. DR3, gedacht für die Fünfzehn- bis Neununddreißigjährigen, und der Kinderkanal DR Ultra laufen nur noch im Netz. Unangetastet bleibt der Kanal für jüngere Kinder DR Ramasjang.

Man kann sich vorstellen, welche Wellen die Sparpläne schlagen – auch die entsetzten Gesichter in den öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland, wenn sie von Dänemark hören. Auf die Gebiete Sport, Unterhaltung, Lifestyle und ausländische Fiktion kommen laut Pressemitteilung markante Einschnitte zu. Die Bereiche Fernsehdrama, Kleinkindprogramm, Dokumentationen sowie Chor und Orchester könne man von den Kürzungen hingegen ausnehmen. Das regionale Programm werde gestärkt.

Zumindest in einem Punkt reagiert der Verband dänischer Medienhäuser „Dansk Medier“ auf den neuen Rahmenvertrag für die Jahre 2019 bis 2023 zufrieden. Geschäftsführer Morten Langager hebt hervor, dass sich das Öffentlich-Rechtliche künftig online zurückhalten muss – Nachrichten in Textform sind möglich, „längere, tiefergehende Artikel“ sollen nicht sein. Für die schreibende Zunft Dänemarks, die im Internet kostenpflichtige Angebote zu etablieren versucht, sei diese Einschränkung bei aller gesellschaftlichen Bedeutung der Öffentlichen ein wichtiger Schritt. Er bewahre die Vielfalt.

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