Deutschland schuldet Griechenland noch Milliarden Reparationen aus dem 2. WK – und zahlt nichts

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Berichten zufolge, die aktuell im Umlauf sind, schuldet Deutschland Griechenland Milliarden Euro (die Schätzungen variieren), aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Schulden kompensiert werden, gehen anscheinend gegen Null. Die Frage wurde auf den Tisch gelegt, ob Griechenlands aktuelle Forderung berechtigt ist; und die meisten sagen: ‚ja‘.

Ob Deutschland nun Griechenland Geld schuldet oder nicht, ist nicht die Frage; während des 2. Weltkriegs sind mehr als 800.000 Griechen zugrunde gegangen; entweder sind sie verhungert oder wurden unmittelbar getötet. Ihr Militär war machtlos und konnte dem Dritten Reich nichts entgegensetzen, als es mit Gewalt ein zinsfreies „Darlehen“ über 476 Millionen Reichsmark von der griechischen Zentralbank einforderte (eine Tat, die die griechische Wirtschaft sogar noch weiter zerstörte).

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Die Toten werden auf den Straßen von Athen eingesammelt während des ersten Winters der Besetzung Griechenlands durch die Achsenmächte in den Jahren 1941-1942. Quelle: Nationalmuseum Athen

Deutschland behauptet, die Schuld bereits beglichen zu haben – in Form des Äquivalents von 25 Millionen US-Dollar während der 1950er Jahre und zusätzlich 115 Millionen D-Mark im Jahr 1960. Zusammengenommen macht das lediglich einen Bruchteil der Kosten des Schadens aus und dessen, was sie einst genommen hatten. Der Höchstwert wird insgesamt auf rund 279 Milliarden Euro geschätzt; und natürlich kann kein Geld der Welt die verlorenen Leben aufwiegen. Deutschland behauptet, dass die zwei Zahlungen unter der Übereinkunft gemacht wurden, dass keine weiteren Forderungen gestellt würden. Griechenland hatte anscheinend hingegen den Eindruck, dass dies nur die Initialzahlungen gewesen waren und, dass nach der Wiedervereinigung von Deutschland noch mehr kommen würde. Jetzt, da Griechenland das Geld wirklich gebrauchen könnte, haben sie die Problematik verständlicherweise wieder zur Sprache gebracht, aber Deutschland gibt nicht nach.

Die Antworten darauf, ob Deutschland im Recht dafür liegt, dass sie diese aktuelle Forderung ablehnen oder nicht, sind gemischt. Einerseits ist es unmöglich, den tatsächlichen Schaden zu berechnen, der von den Nazis während des 2. Weltkriegs angerichtet wurde. Auch wenn es möglich wäre, gibt es keine Möglichkeit, dass Deutschland darauf hoffen könnte, all seine Schulden zurückzubezahlen. Dazu sei auch gesagt: Wenn sie jetzt zustimmen, Griechenland zusätzliche Reparationszahlungen zukommen zu lassen, dann könnte das möglicherweise anderen Ländern Tür und Tor dafür öffnen, ebenfalls zusätzliche Ansprüche geltend zu machen.

Auf der anderen Seite hat Griechenland eine ziemlich mächtige moralische Position in dieser Sache: Das Land, sein Volk und seine Wirtschaft wurden von den Nazis während des 2. Weltkriegs zerstört und Deutschland hat seine Schulden nach dem 2. Weltkrieg weitgehend ignoriert, deshalb wurde die Frage gestellt„Warum sollte Griechenland nicht von einer ähnlichen Art der Schuldenneustrukturierung und des Vergebens profitieren wie Deutschland, das diese Konstellation als Plattform für sein Wirtschaftswunder nutzte?“

Die Syriza-Regierung hat ebenfalls die Tatsache ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt, dass Deutschland seine Schulden aus dem 1. Weltkrieg nicht bezahlt hatte, „die damals größtenteils durch das Abkommen von London im Jahr 1953 abgeschrieben wurden oder auf eine sehr lange Laufzeit neu ausgerichtet wurden“, so heißt es im Wall Street Journal (siehe die kurz zuvor zitierte Quelle). Auf Basis einiger Berechnungen wurde Deutschland eine Schuldlast von bis zu 280% des deutschen BIP zu dieser Zeit verziehen, wohingegen Griechenland derzeit darum bittet, dass ungefähr die Hälfte seiner Schulden im Gesamtwert von etwa 175% seines BIP vergessen werden.

Ihr seht also, worin das Dilemma liegt; und das zurecht: Einem Land wurde die Schuld verziehen, nachdem es Gräueltaten in einem anderen Land begangen hat, dem – warum auch immer – wiederum seine Schulden nicht vergeben werden. An dieser Stelle sollte das wirklich zu einer Angelegenheit werden, die von der EU zu regeln ist. In einem Bericht von Bloomberg heißt es:

„Die deutsche Regierung hat den griechischen Bürgern nur mangelnde Beachtung geschenkt. Aber ist es nicht die andere Seite der Medaille der Bündelung der Souveränität, dass die Regierung Deutschlands sich der Sorge und dem Respekt Nichtdeutschen gegenüber verpflichtet? Länder, die sich mit dieser Anforderung nicht wohlfühlen, hätten vielleicht zweimal darüber nachdenken sollen, bevor sie die EU aufbauen und dann so weit ausdehnen.“

Zum Schluss gab das Wall Street Journal Griechenland einen eher überraschenden Rat:

„Ganz dezent die Schulden aus dem 2. Weltkrieg zu ignorieren, das hat in Deutschland jahrzehntelang funktioniert. Griechenland würde jetzt von dieser Strategie profitieren.“

 

 

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1 Comment

  1. Ungeachtet einer moretären Abgeltung: Es ist unlogisch und moralisch befremdlich Menschenleben in Geld oder Währung aufzuwiegen. Wie soll das bitte funktionieren? Wieviel Geld ist ein Menschenleben wert? (Antwort: keines der Welt.)

    Man kann sich letztendlich nur moralisch und aktiv dazu verpflichten, dass ein derartiges Unglück und Unheil nie wieder vollzogengen wird.

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