Eilmeldung: Terroranschlag in Weihnachtsmarkt in Straßburg

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Trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen ist der Straßburger Weihnachtsmarkt Ziel eines Terroranschlags geworden. Ein Mann eröffnete am Dienstagabend das Feuer. Er erschoss zwei Menschen und verletzte mindestens elf, wie Frankreichs Innenminister Christophe Castaner bestätigte.

Castaner sagte Journalisten, dass mehrere der Verletzten in kritischem Zustand seien. Die Polizei soll den mutmaßlichen Täter, der 29 Jahre alt und in Straßburg geboren sein soll, im Stadtteil Neudorf lokalisiert haben. Nach Angaben der Regionalzeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ stürmte sie drei Häuser – ohne Erfolg.

Ersthelfer kümmern sich im Licht von Autoscheinwerfern um zwei Verletzte der Schießerei
Foto: Twitter

Der Mann hatte nach Angaben des TV-Senders BFMTV am Dienstagmorgen in Zusammenhang mit einem Raubüberfall vernommen werden sollen, war aber nicht aufzufinden. Er soll eine so genannte „Fiche S“-Akte haben. Darin verzeichnen die Sicherheitsbehörden potenzielle Verdächtige wie etwa gewaltbereite Islamisten.

Ein Polizeiauto riegelt eine Straße mit festlicher Beleuchtung ab
Foto: FREDERICK FLORIN / AFP

Die Wohnung des Täters soll am Morgen durchsucht worden sein

Wie die Nachrichtenagenturen „dpa“ und „AFP“ berichten, gehen die Behörden von einem Terroranschlag aus. Der Täter war den Behörden als radikalisiert und gefährlich bekannt, als jemand, der die staatliche Sicherheit („sûreté de l’Etat“) gefährdet („Fiché S“). Nach Angaben des Innenministers Christophe Castaner ist der mutmaßliche Täter 29 Jahre alt, in Straßburg geboren und habe schon gegen das Gesetz verstoßen.

Nach Informationen der Zeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ (DNA) stammt der Mann aus Hohberg bei Straßburg, wurde 2011 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, unter anderem soll er einen Jugendlichen mit einer zerstörten Glasflasche angegriffen haben. Über mögliche Verbindungen zu Terrorgruppen oder seine politische Einstellung war zunächst nichts bekannt.

Der Fernsehsender „BFMTV“ berichtet ohne Angabe von Quellen, in Neudorf sei am Morgen die Wohnung des mutmaßlichen Täters durchsucht worden. Er sei aber entkommen. Das berichtet auch die „AFP“.

Behörden bestätigten der „dpa“, dass Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen haben. Die Untersuchung wurde demnach unter anderem dem Inlandsgeheimdienst DGSI übergeben.

Europaparlament abgeriegelt

Geschossen wurde der Zeitung „L’Alsace“ zufolge vor allem auf der Rue des Grandes Arcade und auf der Rue des Orfèvres. Die Zeitung zitiert auf ihrer Website zwei anonyme Zeugen, die von mehreren Schüssen berichten. Ein Video, das auf Facebook zu finden ist, zeigt einen am Boden liegenden Mann. Auf dem Video sind Schüsse zu hören. Es zeigt eine Straße, die zur Place Kléber führt, dem Kleberplatz im Zentrum Straßburgs, wo ein Weihnachtsmarkt stattfindet.

Menschen hätten sich in Querstraßen geflüchtet, berichtet „L’Alsace“. Das Europäische Parlament, wo gerade eine Sitzung stattfindet, wurde abgeriegelt, wie eine Sprecherin des Parlaments der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Der französische Innenminister Christophe Castaner wurde von Präsident Macron aus Paris nach Straßburg geschickt.

Menschen sollen zu Hause bleiben

Die Stadtverwaltung appellierte früh nach Bekanntwerden eines Vorfalls an die Bewohner, vorerst nicht aus dem Haus zu gehen. „Danke an alle, die zu Hause bleiben und auf die Klärung der Situation warten“, schrieb Vize-Bürgermeister Alain Fontanel im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Straßburg liegt an der deutsch-französischen Grenze. Die deutsche Stadt Kehl grenzt quasi direkt an Straßburg an. Am deutsch-französischen Grenzübergang kontrollierte die Polizei am Abend Autos, die von Deutschland nach Frankreich fuhren, wie eine dpa-Reporterin berichtete. „Wir verstärken (…) aktuell die Kontrollen an der deutsch-französischen Grenze in diesem Bereich“, teilte die Bundespolizei Baden-Württemberg auf Twitter mit.

Später twitterte sie, dass der Verkehr einer grenzüberschreitenden Straßenbahn eingestellt worden sei. „Sofern möglich vermeiden Sie bitte aktuell den Grenzübertritt im Bereich #Kehl“, hieß es weiter. Die lokale Polizei twitterte auch auf Deutsch die Nummer einer Informationshotline:

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, hat sich erschüttert über den Angriff in Straßburg geäußert. „Welches Motiv auch immer hinter den Schüssen steckt: Wir trauern um die Getöteten und sind mit unseren Gedanken und Wünschen bei den Verletzten. Hoffentlich gerät niemand mehr in Gefahr“, schrieb er am Dienstagabend auf Twitter.

Verwendete Quellen:

AFP, dpa

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