„Selbst wenn ich falsch läge, wäre ich glücklich“ – Berühmter Harvard Professor sagt Oumuamua Sei Alien Objekt

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Von Zeit.de

Steile Thesen beleben die Debatte, findet Harvard-Professor Abraham Loeb – und behauptet, das Himmelsobjekt Oumuamua sei das Werk von Aliens. Seine Reputation? Ihm egal.

Oumuamua, das erste Objekt, das uns von einem anderen Solarsystem besucht erzeugte weltweit sehr großes Aufsehen, weil es eine gegen alle Physik-Gesetze widersprechende seltsame Flugbahn aufwies.

„Wir haben nicht genug Beweise und ich hätte gern mehr Daten“, sagt Abraham Loeb im Gespräch

Ein unbekanntes Himmelsobjekt – auf den Weg gebracht von Außerirdischen? Es soll eine Möglichkeit geben, dass es sich bei dem außergewöhnlichen Objekt Oumuamua, das aus einem anderen Sonnensystem stammt und vergangenes Jahr an der Erde vorbeikam, um eine Aliensonde handelt. Das zumindest ist die These, die Abraham Loeb, Leiter des Astronomie-Instituts von Harvard, kürzlich mit einem jungen Kollegen in einem Fachmagazin veröffentlicht hat. ZEIT ONLINE wollte wissen: Wollten die Forscher damit nur Aufmerksamkeit heischen oder ist das transparente Wissenschaft in reinster Form? Wir haben Loeb in Berlin bei seinem Besuch der Falling-Walls-Konferenz getroffen und ihn gefragt, ob er selbst an das glaubt, was er jetzt behauptet.

Das folgende Video zeigt die seltsame Flugbahn des Weltallobjekts Oumuamua, die gegen jede Astrophysik entspricht (ab der 40. Sekunde):

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, es ist wahrscheinlich, dass Aliens existieren, vor allem eine intelligente, hochentwickelte außerirdische Spezies?

Abraham Loeb: Wir Menschen sind nichts Besonderes. Jeder, der so tut, als wären wir die einzige intelligente Zivilisation im Universum, ist arrogant. Ich versuche bescheiden zu sein – kosmische Bescheidenheit nenne ich es. Es gibt zahlreiche Sterne mit erdähnlichen Planeten, die eine Atmosphäre haben, flüssiges Wasser und eine Chemie des Lebens, wie wir sie kennen. Es gibt mehr erdähnliche Planeten als Sandkörner an allen Stränden der Erde. Was bleibt, ist die Frage: Wie finden wir Leben, entweder im Sinne von Mikroben oder höher entwickeltes, mit Technologien? Das ist im Moment ein Fokus meiner Forschung.

ZEIT ONLINE: Sie haben für ziemliche Aufregung mit ihrer aktuellen Studie gesorgt, in der Sie eine weit hergeholte These bezüglich des interstellaren Objekts Oumuamua publiziert haben. Darin heißt es: „Wir diskutieren mögliche Ursprünge solch eines Objekts, einschließlich der Möglichkeit, dass es sich um ein Lichtsegel künstlichen Ursprungs handelt.“ Glauben Sie wirklich, Oumuamua ist kein Exokomet oder Ähnliches, sondern eine Aliensonde?

Loeb: Oumuamua ist wirklich sonderbar. Es sieht nicht so aus wie die Asteroiden oder Kometen, die wir sonst im Sonnensystem finden. Es hat eine extreme Form. Basierend auf dem reflektierten Sonnenlicht, scheint es um einen Faktor fünf bis zehn deutlich länger als breit zu sein.

Und es wird von einer Kraft zusätzlich zur Schwerkraft der Sonne angeschoben, wie die aktuelle Studie eines anderen Forschungsteams zeigt (Nature: Micheli et al., 2018). Nun würde sich auch ein Komet durch die Verdampfung von Eis so verhalten, doch es gibt keinen Schweif aus Gas, der entstehen würde, oder eine veränderte Drehung.

Wir fragen also: Was könnte es anschieben? Sonnenlicht war das einzige, das mir in den Sinn kam. Damit das Objekt aber von Sonnenlicht beeinflusst werden kann, muss es wirklich dünn sein wie ein Segel. Ein Lichtsegel. Das ist eine Technologie, an der wir derzeit arbeiten. Eine andere Zivilisation könnte sie bereits entwickelt haben und – einen Schritt weiter gedacht – vielleicht absichtlich als Sonde zur Erde geschickt.

ZEIT ONLINE: Also sagen Sie, es sei eine Möglichkeit. Eine von vielen.

Loeb: Nicht von vielen. Wenn die Arbeit der Kollegen über den zusätzlichen Schub korrekt ist – und sie sagen, sie hätten zweifelsfrei gemessen – dann frage ich mich: Was könnte der Grund sein? Die einzig andere Möglichkeit neben einem Lichtsegel ist, dass das Objekt zerbrochen ist und ein Bruchstück das andere anstößt. Doch das wäre ein impulsiver Stoß, das Team hat aber einen kontinuierlichen Schub beobachtet.

ZEIT ONLINE: Einige Wissenschaftler, mit denen ich gesprochen habe, haben betont, dass eine einzelne Idee, was das Objekt sein könnte, diese nicht automatisch zur einzig denkbaren Erklärung macht.

Loeb: Dann sollen diese Forscher in einer eigenen Veröffentlichung etwas anderes vorschlagen. Und dann schauen wir, was sinnvoller ist. Denn das ist der Inbegriff von Wissenschaft. Ich habe den Ansatz von Sherlock Holmes angewendet: Wenn das Unmögliche ausgeschlossen ist, muss das, was übrig bleibt, egal wie unwahrscheinlich es ist, die Wahrheit sein.

ZEIT ONLINE: Andere Wissenschaftlerinnen und Forscher, die nach außerirdischem Leben suchen, in diesem Fall von SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence) und Breakthrough Listen, haben versucht, mit Hilfe ihrer Radioteleskope ein Signal von Oumuamua aufzufangen. Sie konnten aber nichts hören. Wie erklären Sie das?

Loeb: Weil so ein Signal vollkommen anders wäre. Das ist so, als würden Sie versuchen, Stimmen zu hören, aber weil Sie keine hören, heißt es, es wäre niemand da. Was aber, wenn einfach gerade niemand spricht?

ZEIT ONLINE: Kann man diese Argumentation nicht ebenso gut umdrehen? Sie sagen: Andere haben nach austretendem Gas geschaut, aber weil sie keins fanden, handle es sich nicht um einen Kometen. Doch Gas ist leicht zu übersehen.

Loeb: In diesem Fall ist es nicht leicht zu übersehen gewesen. Wir sprechen von einem Objekt, das nah an der Erde vorbeigezogen ist.

ZEIT ONLINE: Andere Astronomen sagen, dies sei dennoch möglich, etwa weil sie das Objekt nicht im richtigen Licht untersucht haben. Andere betonten, wichtige Teleskope hätten nicht zur Verfügung gestanden. Warum die Wissenslücken mit etwas Unwahrscheinlichem füllen, anstatt die unter den Umständen erfassten Daten im Hinblick auf die normale, wahrscheinlichste Lösung auszuwerten?

Loeb: Der Zweck unserer Studie ist nicht, darauf zu beharren, dass wir recht haben. Sie dient dazu, Menschen zu motivieren, das nächste interstellare Objekt mit den besten Teleskopen zu beobachten, die es gibt. Vergangenes Jahr hat sich niemand für Oumuamua interessiert. Seit dieser Studie schon. Mein Ziel ist es, die Wahrheit zu finden, nicht Aufmerksamkeit zu erregen. Nicht Meinungsumfragen auf Twitter bestimmen, um was für ein Objekt es sich bei dem Himmelskörper handelt, sondern die wissenschaftlichen Beweise.

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