Sexueller Missbrauch durch katholische Kirche in Deutschland: Über 3.700 Kinder betroffen

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz spricht sich für die Rechte der Opfer aus. Dienstag wird zu den Missbrauchsfällen eine Studie vorgestellt. Mindestens 3.700 Kinder wurden Opfer des Missbrauchs durch Kleriker. Wo bleibt die Reaktion des Staates?

 

Die Deutsche Bischofskonferenz entschloss sich 2011, mit einer Langzeitstudie den Missbrauchs-Skandal wissenschaftlich aufzuarbeiten. Heute Mittag werden die Ergebnisse präsentiert. Einiges ist schon bekannt. Zwischen 1946 und 2014 wurden in Deutschland mindestens 3.700 Kinder, meist Jungen, durch 1.700 Kleriker missbraucht. Auch nach 2011 ging der Missbrauch weiter.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, predigte bei der Eröffnung zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz und sprach die Vertuschung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche an:

Wir schauen in jeder Eucharistie-Feier auf die Sünden der Kirche, nicht nur auf die Heiligen. Wir schauen auf unsere eigene Schwäche, auf die dunklen Seiten unseres Lebens und des Lebens der ganzen Kirche.

Auch Fürbitten wurden vorgetragen, die sich mit dem Skandal befassen:

Für alle, die sexuell oder auf andere Weise missbraucht wurden, innerhalb und außerhalb der Kirche: Um deine besondere Nähe und um Heilung ihrer Wunden an Leib und Seele.

Für alle, die anderen mit Rat und Tat helfend zur Seite stehen: Um ein hörendes Herz und die nötige Geduld im Umgang miteinander.

Die katholischen Nachrichtendienste (Catholic News Agency CNA) widmen sich der Studie mit einem kritischen Artikel. Hierin kommt ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt des Alexander-Krankenhauses in Köln namens Manfred Lütz zu Wort, der der Studie jede wissenschaftliche Grundlage abspricht und die Kirche im „Zugzwang“ sieht, mit einer wackeligen Studie gute „mediale Effekte“ zu erzielen.

„Unverständnis der Pädosexuellen Täter für die schweren und schwersten Folgen für die Opfer“

Entschädigungszahlungen und Konsequenzen fordert der Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Johannes-Wilhelm Rörig sieht die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche geschädigt. Gegenüber dem ZDF-Morgenmagazin sagte er über die Ursachen der Missbrauchsfälle:

Es gibt da keine einfache Erklärung für. Aber sicherlich spielen die Machtverhältnisse auch eine Rolle und der Klerikalismus. Und vielleicht auch das Unverständnis der Geistlichen der Pädosexuellen Täter für die schweren und schwersten Folgen, die Kinder durch Vergewaltigung zu ertragen haben.

Rörig „appelliert an Staat und Kirche, jetzt Aufarbeitung ernstzunehmen“. Der Staat muss den Zugang zu „Akten und Archiven“ erhalten. Der Beauftragte der Bundesregierung wies daraufhin, dass sich Tausende von Kindern in kirchlicher Obhut befänden. Die Behörden müssten sich nun des Falles annehmen. Er empfiehlt einen Kirchen-Staatsvertrag. Das Interview zwischen Herrn Rörig und dem Morgenmagazin wurde durch läutende Kirchenglocken gestört, als er die noch nicht bezifferten Entschädigungszahlungen ansprach.

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