46 Millionen leben heute in direkter Sklaverei

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Beinahe 46 Millionen Menschen leben heute in einer Form der Sklaverei: So lautet das Fazit in einem neuen Bericht, der kürzlich dazu veröffentlicht wurde. Laut des dritten jährlichen Global Slavery Index (etwa: weltweiter Index der Sklaverei), der Umfrageergebnisse der von Gallup (ein US-amerikanisches Markt- und Meinungsforschungsinstitut) durchgeführten Befragungen sammelt und auswertet, ist die Anzahl der Menschen von 35,8 Millionen auf 45,8 Millionen seit 2014 angestiegen – eine Steigerung um rund 28 Prozent – die in einer der Formen der „modernen Sklaverei“ oder des „Menschenhandels, der Zwangsarbeit, der Schuldknechtschaft, der Zwangs- oder servilen Ehe oder der kommerziellen sexuellen Ausbeutung leben“.

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Der Global Slavery Index ist ein Projekt von Walk Free (etwa: sich frei bewegen), einer australischen Menschenrechtsorganisation, die sich dem Ziel verschrieben hat, die moderne Sklaverei zu beenden. Forscher weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass es sich dabei nicht um die traditionelle Sklaverei handelt, in der „Menschen in Knechtschaft oder Leibeigenschaft als legaler Besitz festgehalten wurden“.

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Dieses Jahr analysierten die Forscher Umfrageergebnisse von 42.000 Befragten in 53 Sprachen und aus 167 Ländern für den Index. Sie stellten allerdings fest, dass die Zusammenstellung derartiger Informationen „ein äußerst schwieriges Unterfangen ist, da sich diese Verbrechen im Verborgenen abspielen und nur wenige der Opfer identifiziert werden können“.

Trotzdem vermutete Andrew Forrest, der Gründer von Walk Free, dass der Anstieg um 28 Prozent von 2014 bis 2016 „aus der besseren Datenlage resultierte, obwohl er befürchtete, dass die Situation sich mit den weltweiten Umsiedlungen und der Migration verschlechtert habe. Denn diese Phänomene erhöhen die Anfälligkeit für jegliche Art von Versklavung“berichtete Reuters.

Die neue Analyse stellt die Beständigkeit der Sklaverei in den modernen Gesellschaften heraus. Dabei katalogisiert sie die schlimmsten Nationen und kommt zu dem Ergebnis, dass Sklaverei in allen der 167 untersuchten Länder stattfindet, die in die Studie mit aufgenommen worden waren.

Laut dem Bericht befanden sich 58 Prozent der Menschen, die in eine der Formen moderner Sklaverei gezwungen worden waren, in nur fünf Ländern: Indien, China, Pakistan, Bangladesch und Usbekistan. Diese Nationen verfügen über die höchste „absolute“ Anzahl von Sklaven – man fand heraus, dass sich in Indien über 18 Millionen Sklaven befinden und in China, das auf dem zweiten Platz landete, über 3 Millionen.

Der Bericht führte auch die Nationen auf, deren Anteil an Sklaven im Verhältnis zur Gesamtbevölkerungszahl am höchsten ist. Es sind: Nordkorea, Usbekistan, Kambodscha, Indien und Katar.

Mit mehr als 1,1 Millionen Sklaven in einem Land, das gerade einmal rund 25 Millionen Einwohner zählt, befindet sich die verhältnismäßig größte Anzahl der Opfer in Nordkorea. Dort leben 4,373 Prozent der Bevölkerung in Knechtschaft. In Summe heißt das, dass 1 von 20 nordkoreanischen Bürgern in die Sklaverei gezwungen wird. Wie der Bericht erläutert, gibt es in Korea „überzeugende Beweise dafür, dass von der Regierung sanktionierte Zwangsarbeit in einem weitreichenden System der Gefängnisarbeit existiert, während nordkoreanische Frauen in Zwangsehen gedrängt werden und in die kommerzielle sexuelle Ausbeutung in China und in anderen Nachbarstaaten.“

Der Index 2016 weist auch auf andere Vorkommnisse der staatlich finanzierten Sklaverei hin. Als die schlimmsten Täternationen werden Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Weißrussland (Belarus), China, Eritrea, Russland, Swasiland und Vietnam – und auch Korea genannt.

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Der Bericht kritisiert ebenfalls die mangelnden Bemühungen der nachfolgenden Länder zur Bekämpfung der Sklaverei: Nordkorea, Iran, Eritrea, Äquatorialguinea, Hong Kong, die Zentralafrikanische Republik, Papua-Neuguinea, Guinea, die Demokratische Republik Kongo und den Südsudan.

Interessanterweise teilen sich die folgenden Nationen den sechsten Platz auf der Liste der unterdrückenden Nationen hinsichtlich des Anteils der Bevölkerung: Irak, Afghanistan, Jemen, Syrien, Somalia und Libyen – die allesamt von US-Militärinterventionen betroffen sind. Insgesamt leben in diesen Ländern mehrere Millionen moderne Sklaven. Aber die Forscher haben die Regierungen dieser Länder nicht mit in ihre Untersuchung einbezogen, als sie die Bemühungen zur Eindämmung der Sklaverei analysierten. Möglicherweise betonten sie dadurch unabsichtlich noch eine weitere unterdrückende Gewalt im zeitgenössischen menschlichen Leben:

„Aufgrund der andauernden Konflikte und der extremen Beeinträchtigung der Regierungstätigkeit“, so schreiben sie, „haben wir die Bewertungen für Afghanistan, Irak, Libyen, Somalia, Syrien oder den Jemen nicht mit einbezogen.“

Kritiker des Reports fochten die statistischen Methoden an und wandten ein, dass die Analysten „eine fehlerhafte Methodologie [anwandten], indem sie Umfragen vor Ort in einigen Ländern hochrechneten, um die Zahlen für andere Länder zu schätzen.“ Reuters berichtete dazu jedoch: „Forrest sagte, dass ein Mangel an belastbaren Daten zur Sklaverei in der Vergangenheit die Bemühungen aufgehalten hat, dieses versteckte Verbrechen zu bekämpfen und es war wichtig, eine Messangabe ‚unterm Strich‘ zu machen, um Maßnahmen voranzutreiben.“ Er forderte die Kritiker dazu heraus, eine Alternative zur Verfügung zu stellen.

„Ohne die Messungen gibt es kein effektives Management und damit haben wir keine Möglichkeit, die Welt von der Sklaverei wegzuführen“, sagte er.

Der australische Bergbau-Milliardär Forrest erörterte die Optionen, wie die Formen der modernen Sklaverei ausgemerzt werden könnten. Dabei griff er insbesondere Unternehmen heraus, denen es nicht gelingt, die Versklavung ihrer Arbeiter im Produktionsprozess ihrer Produkte zu hinterfragen. „Unternehmen, die in ihrer Lieferkette nicht aktiv nach Zwangsarbeit suchen, bauen ihr Unternehmensfundament auf Sand. Wirtschaftsführer, die sich weigern, der Realität ihrer eigenen Lieferketten ins Auge zu sehen, sind fehlgeleitet und handeln verantwortungslos“, sagte er. Reuters berichtet, dass der „Index 2016 wieder ergab, dass Asien für zwei Drittel der Menschen in Sklaverei verantwortlich ist. Denn dort arbeiten die Menschen in Jobs mit geringer Qualifikationsvoraussetzung in weltweiten Lieferketten zur Produktion von Kleidung, Nahrungsmitteln und Technologie.“

In einem Aufruf an die Führungspersönlichkeiten in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft (und im Unternehmensbereich), härter daran zu arbeiten, dass die modernen Formen der Sklaverei ausgemerzt werden, zeigte sich Forrest letztlich optimistisch.

„Mit unserem verantwortungsbewussten Umgang mit Macht, Überzeugungskraft, Entschlossenheit und kollektiver Bereitschaft, können wir alle die Welt so weit bringen, dass die Sklaverei ein für alle Mal beendet wird“, sagte er.

 

 

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1 Comment

  1. Der Global Slavery Index ist ein Projekt von Walk Free (etwa: sich frei bewegen), einer australischen Menschenrechtsorganisation, die sich dem Ziel verschrieben hat, die moderne Sklaverei zu beenden. Forscher weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass es sich dabei nicht um die traditionelle Sklaverei handelt, in der „Menschen in Knechtschaft oder Leibeigenschaft als legaler Besitz festgehalten wurden“.

    Wenn man nach nicht nach der traditionellen Sklaverei geht, dann sind (meiner Meinung nach) so gut wie alle, die nicht der oberen 1% Gesellschaftschicht sich befinden, Sklaven…

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