Chimären existieren – Wissenschaftler spielen Gott trotz DNA-Finanzierungverbot

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Es zeichnet sich eine verstörende Tendenz an der Stelle ab, wenn Wissenschaftler, denen die Geldmittel von der Regierung entzogen wurden, ihre finanzielle Unterstützung von anderen Akteuren beziehen. Obwohl sogar die Regierung ein klares „Nein“ gegen bestimmte DNA- und Stammzellenforschung ausspricht, führen Forschungsgruppen Projekte trotzdem weiter, die – wie soll man sagen – ethisch ziemlich beunruhigend sind.

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Der MIT Technology Review hat zuerst etwas zu diesem Tatbestand veröffentlicht. In dem Bericht ist dokumentiert, dass es eine zunehmende Tendenz gibt, Kollegen zu ignorieren, um zu beweisen, dass sie falsch liegen. Es klingt wie ein Echo aus vergangenen Zeiten: Ich glaube daran, die Spezies weiterzubringen, deshalb sind meine Handlungen gerechtfertigt… Das ist das Einmaleins von Hitlers Wissenschaftsexperimenten, die sich gegen Juden, Zigeuner und alle anderen richteten, die nicht die Kriterien seines Schemas F der menschlichen Rasse erfüllten.

Diesmal ist die Forschung noch ein bisschen verstörender. Forschung, bei der die Wissenschaftler Gott spielten und eine „Mensch-Tier-Chimäre“ erschufen, führte zu einer fast beispiellosen politischen Wende in den Vereinigten Staaten. Die National Institutes of Health (etwa: Vereinigung staatlicher Gesundheitsämter) hatte angekündigt, dass die Entwicklung dieser Chimären solange nicht weiter unterstützt werden könne, bis die wissenschaftlichen und sozialen Implikationen vollends überprüft worden seien. Die NIH erklärte, sie werde derartige Forschung nicht unterstützen.

Die Debatte dreht sich auch um die Vorstellung, die Grenzen zwischen dem Menschen und den Tieren zu verwischen. Indem man die DNA verändert, züchtet man menschliches Gewebe in Schweinen und Schafen. Das Ziel: Organe herzustellen und zu ernten, die für menschliche Empfänger gebraucht werden.

Seit des auferlegten Finanzierungsverbotes haben einige US-amerikanische Zentren ihre Forschung trotzdem plangemäß weitergeführt. Denn Privatunternehmen wie die California Stem-cell Agency (etwa: die kalifornische Stammzellen-Agentur) und das US-Militär (1,4 Millionen Dollar) haben die Finanzmittel bereitgestellt, um solche Studien voranzutreiben.

Die Bedenken des NIH, dass der „kognitive Zustand“ eines Tieres aufgrund von menschlichen Gehirnzellen beeinflusst werden könnte, ist gar nicht so weit hergeholt. Die bislang noch nicht veröffentlichte Dokumentation der Erforschung derartiger Prozeduren, bei denen Schwein-Mensch- und Schaf-Mensch-Schwangerschaften durch die Wissenschaftler veranlasst wurden, sind in einer Präsentation auf dem Campus der NIH in Maryland offen debattiert worden.

„Wir sind noch nicht einmal in der Nähe der Insel von Dr. Moreau, aber die Wissenschaft schreitet schnell voran“, erörterte der NIH-Ethiker David Resnik. „Das Schreckgespenst einer intelligenten Maus, die in irgendeinem Labor festsitzt und ‚Ich will hier raus‘ schreit, würde die Menschen sehr beunruhigen.“

Bei der Konnotation des Wortes „Chimäre“ schwingt normalerweise „Monster“ mit. Ursprünglich stammt das Wort jedoch aus der griechischen Mythologie und bedeutet: teils Löwe, teils Ziege, teils Schlange. Eine Chimäre zu erschaffen bedeutet in diesem Sinne, ein Endprodukt zu fabrizieren, das gesunde Organe für schwerkranke Menschen produziert.

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„Meiner Ansicht nach wird die Beigabe von menschlichen Zellen minimal sein, vielleicht 3 Prozent, vielleicht 5 Prozent“, sagt Pablo Ross, ein Tierarzt und Entwicklungsbiologe an der University of California. „Aber was, wenn sie zu 100 Prozent auf das Gehirn einwirken? Was, wenn das Embryo, das sich entwickelt, zum Großteil menschlich ist? Wir gehen nicht davon aus, aber bislang hat noch niemand dieses Experiment durchgeführt, deshalb können wir es nicht ausschließen.“

Spitzentechnologie alleine lässt das nicht richtig werden. Bloß weil man etwas tun kann, heißt das nicht, dass man es auch tun sollte. Die Finanzierung wurde aus gutem Grund gekappt. Das ist eine uralte Weisheit.

Quellen:

https://videocast.nih.gov/summary.asp?Live=17471&bhcp=1

https://grants.nih.gov/grants/guide/notice-files/NOT-OD-15-158.html

https://www.technologyreview.com/s/545106/human-animal-chimeras-are-gestating-on-us-research-farms/

 

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