Erfinder des Internets gründet eigens ein neues Unternehmen, um das Internet aus den Händen von Google, Facebook & Co zurückzuholen

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Der “Vater des World Wide Web” hat ein revolutionäres Startup angekündigt, welches das Internet grundlegend dezentralisieren will, um es den Menschen zurückzugeben.

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“Für Menschen, denen es darum geht, dass das Internet der Menschheit dient, müssen wir uns damit befassen, worauf die Menschen aufbauen”, erklärte Tim Berners-Lee dazu gegenüber dem Magazin Vanity Fair. “Ich war am Boden zerstört”, sagte er, während er eine Litanei schädlicher und gefährlicher Entwicklungen der letzten drei Jahrzehnte des Internets durchging.

Aus diesem Grund hat der  “Vater des World Wide Web“ ein Start-up ins Leben gerufen, das die Dominanz von Facebook, Google und Amazon beenden soll, während Einzelpersonen gleichzeitig die Kontrolle über ihre eigenen Daten zurückgewinnen können.

Die neue Online-Plattform und das Unternehmen namens ‘Inrupt’ von Berners-Lee wird als “personalisierter Online-Datenspeicher” oder Pod bezeichnet, in dem alles, von Nachrichten, Musik, Kontakten oder anderen persönlichen Daten, an einem Ort gespeichert wird, der vom Benutzer beaufsichtigt wird, anstatt von einer Reihe von Plattformen und Apps, die von Unternehmen betrieben werden, welche von den persönlichen Informationen geschäftlich profitieren wollen. Das Projekt strebt nach “persönlicher Selbstbestimmung durch Daten” und zielt nach Aussagen des Unternehmens darauf ab, das Web “zurückzuerobern”.

Der Mann, der das World Wide Web durch die Implementierung der ersten erfolgreichen Kommunikation zwischen einem Hypertext Transfer Protocol (HTTP)-Client und einem Server über das Internet im Jahr 1989 geschaffen hatte, beklagt, dass seine Kreation von mächtigen Organisationen umfassend missbraucht wird, von Massenüberwachung, gefälschten Nachrichten, psychologischer Manipulation, bis hin zu Unternehmen, die Informationen von Einzelpersonen kommerzialisieren.

Sir Tim Berners-Lee

Er arbeitet indes schon seit geraumer Zeit an einem neuen Projekt, um das Web zurückzugewinnen, das vom Wirtschaftstechnologiemagazin Fast Company ausführlich beschrieben wird:

Berners-Lee stellt sein Startup Inrupt vor, das er in den letzten neun Monaten im Tarnmodus aufgebaut hat. Unterstützt von Glasswing Ventures, ist es seine Mission, eine breitere Bewegung unter Entwicklern auf der ganzen Welt in Bewegung zu setzen, um das Web zu dezentralisieren und von den Kräften, die von seiner Zentralisierung profitiert haben, die Macht zurückzugewinnen. Das bedeutet, dass es für Facebook, Google, Amazon ernst wird.

“Wir müssen das jetzt tun”, sagte Berners-Lee über das neu gestartete Projekt. “Es ist ein historischer Moment.” Er verwies als den Hauptantrieb hinter seiner jüngsten Ankündigung darauf, dass er von seinen Aufgaben als Forschungsprofessor eine Beurlaubung nehmen werde, um Vollzeit an dem Projekt zu arbeiten, wie etwa die jüngste Enthüllung, dass Facebook es politischen Kräften ermöglicht hat, Zugang zu den privaten Daten von etwa 50 Millionen Nutzern zu erlangen.

Berners-Lee leitet seit Jahren ein Team für die Entwicklung und den Aufbau einer dezentralen Webplattform namens ‘Solid’, welche die Basis für die Inrupt-Plattform sein wird. Das Inrupt Projekt wird den Benutzern als erster Zugriff auf das neue Soliddecentralized Web dienen:

Wenn alles wie geplant läuft, wird Inrupt für Solid das sein, was Netscape einst für viele Erstnutzer des Webs war: ein einfacher Weg, um hineinzukommen. Und wie bei Netscape, so hofft Berners-Lee, dass Inrupt nur das erste von vielen weiteren Unternehmen ist, die aus Solid hervorgehen werden.

“Das habe ich mir schon sehr lange vorgestellt“, erklärt Berners-Lee.

Wie auf den Webseiten von Solid und Inrupt beschrieben, können Benutzer mit der neuen Plattform die vollständige Kontrolle über ihre Informations-Pods (eine Abkürzung für „Persönlicher Online-Datenspeicher“) erlangen. Nur sie entscheiden, ob externen Apps und Webseiten Zugang gewährt wird, und in welchem Umfang.

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Im Gegensatz zu Facebook oder Twitter, bei denen sich alle Benutzerinformationen letztendlich in zentralen Rechenzentren und Servern befinden, die von den Unternehmen kontrolliert werden, konkurrieren Anwendungen auf Inrupt um Benutzer auf der Grundlage der Dienste, die sie anbieten können, und nur die Benutzer können diesen Apps “views” [Einblicke] in ihre Daten gewähren, so dass persönliche Daten sofort zwischen ähnlichen Anwendungen übertragen werden können.

„Die Hauptverbesserung besteht darin, dass das Web zu einem kollaborativen Lese- und Schreibbereich wird und die Kontrolle von den Eigentümern eines Servers an die Benutzer dieses Systems weitergegeben wird. Die Solid-Spezifikation bietet diese Funktion“, so heißt es auf der Solid-Webseite.

 

Ansicht eines Prototypen der Inrupt-Plattform

 

Berners-Lee erläuterte Fast Company gegenüber ein Beispiel, das sich derzeit in der Entwicklung befindet und welches ein beliebtes Produkt grundlegend verändern könnte, das dazu neigt, Datenschutzgrenzen zu überschreiten und die Datensicherheit zu gefährden:

Eine Idee, an der Berners-Lee derzeit arbeitet, ist beispielsweise die Schaffung einer dezentralen Version von Alexa, dem zunehmend allgegenwärtigen digitalen Assistenten von Amazon. Er nennt es Charlie. Anders als bei Alexa, würden die Leute bei Charlie alle ihre Daten selbst besitzen. Das heißt, sie könnten Charlie zum Beispiel Gesundheitsakten, Schulereignisse für Kinder oder Finanzunterlagen anvertrauen. Das ist die Art von Technologie, die Berners-Lee überall in Solid einsetzen will, um die Machtdynamik des Webs von den Unternehmen weg und hin zu Einzelpersonen zu verlagern.

Mit dem Start von Inrupt im vergangenen Oktober wurden Entwickler auf der ganzen Welt ermuntert, über die Inrupt-Seite ihre eigenen dezentralen Apps zu erstellen. Mit zunehmender Popularität wird das Unternehmen weitere Mittel beschaffen, während es derzeit von einer Risikokapitalgesellschaft unterstützt wird.

In seinem jüngsten Interview heißt es: „Diese Pläne könnten sich auf Milliarden-Dollar-Geschäftsmodelle auswirken, die von der Kontrolle über Daten profitieren. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass die großen Mächte des Internets die Kontrolle kampflos aufgeben werden.“

Auf diesen großen Hindernisfaktor angesprochen, entgegnete Berners-Lee: “Wir sprechen nicht mit Facebook und Google darüber, ob wir eine komplette Veränderung einführen wollen, bei der alle ihre Geschäftsmodelle über Nacht komplett umgestaltet werden. Wir bitten nicht um ihre Erlaubnis.“

 

Verweise:

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