Treffpunkt Hauptbahnhof: Dem Aufruf zur Demonstration waren rund 100 "Gelbwesten" in Wiesbaden gefolgt. Foto: Wolfgang Degen

„So kann es nicht weiter gehen“: Gelbwesten-Demo in Wiesbaden

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Sie fanden sich zusammen um gegen “regierungspolitische Mißstände” zu protestieren. Doch die rund 100 “Gelbwesten” trafen in Wiesbaden schnell auf Gegendemonstranten.

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Rund 100 Teilnehmer sind am Samstag dem Aufruf zur ersten Gelbwesten-Demonstration in Wiesbaden gefolgt. Aufgerufen hat die Gruppe „Wir sind viel mehr“. Protestiert wurde gegen die „regierungspolitischen Missstände“ in Deutschland. Ein thematischer Rundumschlag.

Bei Demo-Einsatz: Kein Ruhmesblatt für Polizeiarbeit

Nach dem Start am Hauptbahnhof wurde der Zug der Demonstranten schon nach wenigen Minuten in der Bahnhofstraße von linken und autonomen Gegendemonstranten aufgehalten, die sich zu einer „Spontankundgebung“ eingefunden hatten. Die etwa 30 zum Teil auch vermummten Protestler blockierten die Straße und machten ein Weitergehen des angemeldeten Demonstrationszuges unmöglich. Aus dieser Blockade heraus wurden die Teilnehmer von #Wir sind viel mehr#“ immer wieder als „Nazis“ tituliert. Die „Internationale“ ließ man hochleben und skandierte, dass Flüchtlinge willkommen seien.

Kopfschüttelnde Passanten

Die nur mit wenigen Beamten von Landes- und Stadtpolizei vertretene Polizei sah sich über eine Stunde lang nicht in der Lage, der Gruppe „Wir sind viel mehr“ den Weg frei zu machen. In den Reihen der „Wir sind viel mehr“-Demonstranten wurden zunehmend Unverständnis und auch Unmut laut, zum einen über die pauschale Verunglimpfung „Nazis“, zum anderen über die Tatsache, dass die Polizei nicht in der Lage, den Weg freizumachen. „Das ist die erste Demonstration meines Lebens“, sagte eine ältere Dame. „Wir Rentner werden in die Altersarmut getrieben. Dagegen will ich heute protestieren. Und da drüben stehen junge Rotzlöffel, die mich als Nazi beschimpfen und beleidigen. Wenn wir jetzt nicht für eine anständige Rente kämpfen – was kriegen die dann später?“

Es wurde auch Kritik laut an dem als „Untätigkeit“ empfundenen Verhalten der Polizei. Es müsse doch möglich sein, „die drei Hampelmänner da drüben wegzuhauen“. Bei einem Gespräch am Rande forderte einer der jungen Blockierer, dass sich die Gruppe #Wir sind viel mehr# unbedingt von „Nationalismus“ „distanzieren“ müsse, „zum Beispiel von solchen Fahnen“. Dabei zeigte er auf die deutsche Flagge. Kopfschüttelnd verfolgten Passanten die Szenen in der Bahnhofstraße. Das Verständnis war eindeutig bei dem, was in der Gruppe der Gelbwesten artikuliert wurde.

Polizei greift konsequenter ein

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Nach einer Stunde hatte die Polizei noch keine Lösung, aber zumindest so viel Verstärkung angefordert, um das Demonstrationsrecht der Gruppe „#Wir sind viel mehr#“ nötigenfalls durchsetzen zu können. Zwischenzeitlich war es zu einigen Reibereien und zu Geschubse gekommen, weil einige Demonstranten die Blockade nicht länger hinnehmen wollten. Aus den Reihen der Linken wurden immer wieder Menschen ab- oder zurückgedrängt. Mit Worten wie „Hau ab!“

STRAFVERFAHREN

Nach Angaben der Polizei blockierten die etwa 25 teils vermummten Gegendemonstranten mindestens zweimal die geplante Zugstrecke durch die Innenstadt. Beamte drängten die Störer ab und nahmen deren Personalien auf. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eingeleitet, sagte ein Sprecher der Behörde.

Wenige Gelbwesten gelangten auf die andere Seite. Darunter auch der rechte Aktivist Henryk Stöckl, der mit seinen Videoaufnahmen auch diese Demonstration begleitete. Die Linken lieferten ihm mit der Blockade und der zeitweise kapitulierenden Polizei eine willkommene Show. Wegen der Blockade in der Bahnhofstraße stauten sich hier die ESWE-Busse, es kam es massiven Verkehrsbehinderungen und zu Bus-Ausfällen. Als dann doch mehr Polizeikräfte in der Bahnhofstraße auftauchten, zogen sich die Blockierer zurück. Um dann am Eingang zum Dernschen Gelände abermals den Demonstrationszug kurz zum Anhalten zu bringen. Diesmal griff die Polizei konsequenter ein und ermöglichte den vorgesehenen Weg zur Abschlusskundgebung vor dem Landtag.

Unter starkem Beifall wurde in der Abschlussrede die „soziale Schieflage“ in der Gesellschaft angeprangert, während sich gleichzeitig die Politiker mit den Diäten „die Taschen füllen“ würden. Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet hätten, würden um die Früchte dieser Arbeit gebracht. Mit immer neuen finanziellen Forderungen. Die Bürger würden „gemolken“. Die Politiker seien weit von der Lebenswirklichkeit des Volkes entfernt, „völlig abgehoben“. So wie bisher könne es nicht mehr weiter gehen. Die Missstände müssten ein Ende haben – „Aufstehen“ und „Widerstand“ riefen die Teilnehmer. Und es wurde angekündigt, dass die Demonstration vom Samstag erst der Anfang gewesen sei.

Quelle: wiesbadener-kurier.de

 

 

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